Na, wieder mal die Nebenkostenabrechnung im Briefkasten gehabt und denkst dir: "Hä, wie soll ich denn SO viel Wasser verbraucht haben?" Keine Panik, das geht vielen so! Einer der häufigsten Knackpunkte in der Nebenkostenabrechnung sind nämlich falsche Ablesewerte. Aber keine Sorge, ich zeige dir, wie du Fehler erkennst und was du tun kannst, um eine Korrektur zu fordern.
Warum sind korrekte Ablesewerte so wichtig?
Ganz einfach: Die Ablesewerte sind die Grundlage für die Berechnung deiner Heizkosten und deines Wasserverbrauchs. Wenn hier Fehler drin sind, zahlst du im schlimmsten Fall drauf – und das wollen wir ja nicht, oder? Stell dir vor, du bezahlst für den Wasserverbrauch der ganzen Hausgemeinschaft mit!
Wo lauern die Fehler bei den Ablesewerten?
Die Fehlerquellen sind vielfältig:
- •Falsch abgelesene Zählerstände: Klingt banal, ist aber die häufigste Ursache. Vielleicht wurde eine Zahl verwechselt oder eine Stelle übersehen.
- •Übertragungsfehler: Der Zählerstand wurde korrekt abgelesen, aber beim Übertragen in die Abrechnung ist ein Fehler passiert.
- •Defekte Messgeräte: Der Zähler selbst ist kaputt und zeigt falsche Werte an.
- •Schätzungen: Dein Vermieter oder die Ablesefirma konnte deinen Zähler nicht ablesen (z.B. weil du nicht da warst) und hat den Verbrauch geschätzt. Schätzungen sind oft ungenau und können zu deinen Ungunsten ausfallen.
- •Verwechslung von Zählern: Gerade in Mehrfamilienhäusern kann es vorkommen, dass Zähler verwechselt werden.
So erkennst du Fehler in der Nebenkostenabrechnung
Bevor du dich gleich aufregst, atme erstmal tief durch und geh systematisch vor:
- 1.Prüfe die Zählerstände: Vergleiche die Zählerstände in der Abrechnung mit deinen eigenen Aufzeichnungen. Idealerweise hast du dir beim Einzug und auch während des Jahres die Zählerstände notiert.
- 2.Achte auf den Ablesezeitraum: Stimmt der Ablesezeitraum in der Abrechnung mit dem tatsächlichen Zeitraum überein?
- 3.Vergleiche mit Vorjahreswerten: Weichen die Verbrauchswerte stark von den Vorjahren ab? Wenn ja, könnte das ein Hinweis auf einen Fehler sein. Hast du beispielsweise plötzlich doppelt so viel Wasser verbraucht wie sonst?
- 4.Prüfe die Einheiten: Sind die richtigen Einheiten angegeben (z.B. Kubikmeter für Wasser, kWh für Heizung)?
- 5.Kontrolliere die Berechnungen: Rechne nach, ob die Verbrauchswerte korrekt berechnet wurden.
- 6.Fordere die Messprotokolle an: Du hast das Recht, die Messprotokolle der Ablesefirma einzusehen. Diese geben detailliert Auskunft über die abgelesenen Werte und können helfen, Fehler aufzudecken.
- 7.Überprüfe, ob überhaupt eine Ablesung stattgefunden hat: Wurde der Verbrauch geschätzt? Wenn ja, muss der Vermieter dies in der Abrechnung angeben. Du hast dann das Recht, eine korrekte Abrechnung zu fordern, wenn du nachweisen kannst, dass eine Ablesung möglich gewesen wäre.
Was tun, wenn du einen Fehler gefunden hast?
Wenn du einen Fehler in der Nebenkostenabrechnung entdeckt hast, solltest du unbedingt Widerspruch einlegen. Und zwar schriftlich! So gehst du vor:
- 1.Formuliere ein Widerspruchsschreiben: Erkläre darin genau, welchen Fehler du gefunden hast und warum du ihn für falsch hältst. Nenne die konkreten Zählerstände und belege deine Angaben mit deinen eigenen Aufzeichnungen oder Fotos.
- 2.Setze eine Frist: Gib deinem Vermieter eine angemessene Frist zur Korrektur der Abrechnung (in der Regel 2-4 Wochen).
- 3.Schicke den Widerspruch per Einschreiben: So hast du einen Nachweis, dass dein Widerspruch auch angekommen ist.
- 4.Bezahle die Nebenkostenabrechnung unter Vorbehalt: Das bedeutet, du zahlst den geforderten Betrag, aber behältst dir das Recht vor, einen Teil zurückzufordern, wenn die Abrechnung korrigiert wurde. Vermerke den Vorbehalt auf dem Überweisungsträger oder im Verwendungszweck.
Beweislast – Wer muss was beweisen?
Grundsätzlich gilt: Dein Vermieter muss eine korrekte Nebenkostenabrechnung erstellen und nachweisen, dass die Kosten tatsächlich angefallen sind. Du als Mieter musst Fehler in der Abrechnung nachweisen, wenn du sie beanstandest.
Allerdings gibt es hier einige Ausnahmen:
- •Schätzung: Wenn der Verbrauch geschätzt wurde, muss der Vermieter nachweisen, warum eine Ablesung nicht möglich war. Kann er das nicht, hast du gute Chancen, eine korrekte Abrechnung zu fordern.
- •Defekte Messgeräte: Wenn du vermutest, dass ein Messgerät defekt ist, solltest du das dem Vermieter melden und ihn auffordern, das Gerät zu überprüfen. Im Streitfall muss der Vermieter beweisen, dass das Messgerät ordnungsgemäß funktioniert hat.
Was, wenn der Vermieter sich weigert, die Abrechnung zu korrigieren?
Wenn dein Vermieter auf deinen Widerspruch nicht reagiert oder sich weigert, die Abrechnung zu korrigieren, hast du verschiedene Möglichkeiten:
- •Suche das Gespräch: Vielleicht lässt sich das Problem in einem persönlichen Gespräch klären.
- •Wende dich an einen Mieterverein: Die Experten dort können dir bei der Prüfung der Abrechnung helfen und dich rechtlich beraten.
- •Gehe zum Anwalt: Wenn alle Stricke reißen, kannst du einen Anwalt einschalten, der deine Interessen vertritt.
- •Reiche Klage ein: Als letztes Mittel kannst du Klage vor dem Amtsgericht erheben.
Fazit: Augen auf bei der Nebenkostenabrechnung!
Lass dich nicht von falschen Ablesewerten über den Tisch ziehen! Prüfe deine Nebenkostenabrechnung sorgfältig, vergleiche die Werte mit deinen Aufzeichnungen und scheue dich nicht, Fehler zu beanstanden. Mit den Tipps in diesem Artikel bist du bestens gerüstet, um dich gegen unberechtigte Forderungen zu wehren und dein Recht als Mieter durchzusetzen. Viel Erfolg!
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