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Nach Belegeinsicht: Vermieter ignoriert Einwände – Was Mieter tun können, um ihr Recht durchzusetzen (inkl. Mahnverfahren)

Na, hast du auch wieder so ein dickes Nebenkosten-Paket im Briefkasten gehabt und nach der Belegeinsicht festgestellt: Da stimmt doch was nicht? Und jetzt reagiert dein Vermieter einfach nicht auf dei...

Mister Check
5 Min. Lesezeit
Nach Belegeinsicht: Vermieter ignoriert Einwände – Was Mieter tun können, um ihr Recht durchzusetzen (inkl. Mahnverfahren)

Na, hast du auch wieder so ein dickes Nebenkosten-Paket im Briefkasten gehabt und nach der Belegeinsicht festgestellt: Da stimmt doch was nicht? Und jetzt reagiert dein Vermieter einfach nicht auf deine Einwände? Keine Panik, das ist ärgerlich, aber kein Grund, gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Wir zeigen dir, was du jetzt tun kannst, um dein Recht durchzusetzen.

Erst mal tief durchatmen: Du bist nicht allein!

Viele Mieter kennen das Problem. Die Nebenkostenabrechnung ist oft ein Buch mit sieben Siegeln und Fehler schleichen sich leider immer wieder ein. Das Wichtigste ist jetzt, ruhig zu bleiben und systematisch vorzugehen. Denn auch wenn dein Vermieter sich stur stellt, hast du als Mieter einige Trümpfe in der Hand.

Erinnerung ist das halbe Leben: Setze eine Frist!

Du hast deinem Vermieter deine Einwände schriftlich mitgeteilt und Beweise vorgelegt, aber es kommt keine Reaktion? Dann ist es Zeit für eine schriftliche Erinnerung. Setze ihm darin eine klare Frist (z.B. zwei Wochen) zur Beantwortung und zur Korrektur der Abrechnung. Betone, dass du andernfalls weitere Schritte in Erwägung ziehst. Eine Formulierung könnte so aussehen:

"Sehr geehrte/r Herr/Frau [Name des Vermieters],

bezugnehmend auf mein Schreiben vom [Datum], in dem ich Einwände gegen die Nebenkostenabrechnung für den Zeitraum [Zeitraum] geltend gemacht habe, muss ich leider feststellen, dass ich bisher keine Antwort erhalten habe. Ich erinnere hiermit freundlich an meine Einwände und bitte um eine schriftliche Stellungnahme sowie Korrektur der Abrechnung bis zum [Datum, Frist von 2 Wochen].

Sollte ich bis zu diesem Zeitpunkt keine Rückmeldung erhalten, behalte ich mir weitere rechtliche Schritte vor.

Mit freundlichen Grüßen,

[Dein Name]"

⚠️
WichtigSchicke die Erinnerung am besten per Einschreiben mit Rückschein, damit du einen Beweis hast, dass dein Vermieter sie erhalten hat.

Der Ton macht die Musik: Sprich mit deinem Vermieter

Manchmal hilft ein persönliches Gespräch. Versuche, deinen Vermieter telefonisch oder persönlich zu erreichen und ruhig zu erklären, wo deiner Meinung nach die Fehler liegen. Vielleicht ist es nur ein Missverständnis oder ein Versehen. Bleibe dabei sachlich und freundlich, auch wenn du frustriert bist.

💡
TippBereite dich gut auf das Gespräch vor und habe alle relevanten Unterlagen (Abrechnung, Belege, deine Einwände) griffbereit.

Der nächste Schritt: Mieterverein oder Anwalt

Wenn die Erinnerung und das Gespräch nichts gebracht haben, ist es Zeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

  • Mieterverein: Ein Mieterverein ist oft die erste Anlaufstelle. Dort bekommst du rechtliche Beratung und Unterstützung bei der Durchsetzung deiner Rechte. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel einen Jahresbeitrag, ist aber oft gut investiertes Geld.
  • Anwalt für Mietrecht: Wenn die Sache komplizierter ist oder du das Gefühl hast, dass dein Vermieter unnachgiebig ist, solltest du einen Anwalt für Mietrecht konsultieren. Er kann deine Ansprüche juristisch prüfen und dich bei der Durchsetzung deiner Rechte vertreten.

Die letzte Instanz: Das Mahnverfahren

Wenn alle Stricke reißen und dein Vermieter sich weiterhin weigert, deine Einwände zu berücksichtigen, kannst du ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten. Das ist ein relativ einfacher und kostengünstiger Weg, um deine Ansprüche geltend zu machen.

So funktioniert das Mahnverfahren:

  1. 1.Antrag stellen: Du stellst beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids. Das geht online über das Online-Mahnverfahren oder schriftlich mit einem entsprechenden Formular.
  2. 2.Inhalt des Antrags: In dem Antrag gibst du an, wie hoch deine Forderung ist (also der Betrag, um den die Nebenkostenabrechnung deiner Meinung nach zu hoch ist) und begründest diese kurz (z.B. "fehlerhafte Berechnung der Wohnfläche", "nicht umlagefähige Kosten").
  3. 3.Zustellung des Mahnbescheids: Das Gericht prüft den Antrag formal und stellt den Mahnbescheid deinem Vermieter zu.
  4. 4.Widerspruch: Dein Vermieter hat nun die Möglichkeit, innerhalb von zwei Wochen Widerspruch gegen den Mahnbescheid einzulegen.
  5. 5.Kein Widerspruch: Wenn dein Vermieter keinen Widerspruch einlegt, erlässt das Gericht einen Vollstreckungsbescheid. Mit diesem kannst du dann die Zwangsvollstreckung gegen deinen Vermieter betreiben, um dein Geld zu bekommen.
  6. 6.Widerspruch: Legt dein Vermieter Widerspruch ein, geht die Sache vor Gericht. Du musst dann Klage erheben und beweisen, dass deine Einwände gegen die Nebenkostenabrechnung berechtigt sind.
⚠️
WichtigBevor du ein Mahnverfahren einleitest, solltest du dich unbedingt von einem Anwalt oder dem Mieterverein beraten lassen. du können dir helfen, den Antrag korrekt auszufüllen und die Erfolgsaussichten einzuschätzen. Außerdem solltest du bedenken, dass ein Mahnverfahren Kosten verursacht (Gerichtskosten, Anwaltskosten), die du im Falle des Unterliegens tragen musst.

BGH-Urteil: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in mehreren Urteilen betont, dass der Vermieter verpflichtet ist, die Nebenkostenabrechnung nachvollziehbar und transparent zu gestalten. Er muss dem Mieter Einsicht in die Belege gewähren und auf Einwände des Mieters eingehen (z.B. BGH, Urteil vom 29.03.2006, VIII ZR 190/05).

Spezialfall: Vorauszahlungen zurückfordern

Was, wenn du die beanstandete Summe bereits bezahlt hast? Kein Problem, du hast trotzdem das Recht, die zu viel gezahlten Vorauszahlungen zurückzufordern. Setze deinem Vermieter auch hierfür eine Frist und weise ihn darauf hin, dass du gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten wirst, solltest du dein Geld nicht zurückbekommen.

Fazit: Nicht aufgeben, sondern aktiv werden!

Lass dich nicht entmutigen, wenn dein Vermieter deine Einwände gegen die Nebenkostenabrechnung ignoriert. Du hast als Mieter Rechte und verschiedene Möglichkeiten, diese durchzusetzen. Bleibe hartnäckig, dokumentiere alles schriftlich und scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit der richtigen Strategie kannst du dein Geld zurückbekommen und sicherstellen, dass deine zukünftigen Nebenkostenabrechnungen korrekt sind. Viel Erfolg dabei!

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