Mist, schon wieder Post vom Vermieter! Und diesmal ist es die Nebenkostenabrechnung… und dein Herz rutscht in die Hose, als du die Wasserkosten siehst. Ein Verbrauch, der dir vorkommt, als hättest du den ganzen Sommer über einen Pool befüllt? Keine Panik! Lass uns das Problem gemeinsam angehen. Ich zeige dir, was du tun kannst, wenn dein Wasserverbrauch in der Nebenkostenabrechnung extrem hoch erscheint.
Erstmal tief durchatmen: Was ist normal?
Bevor du dich in Rage redest, ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Ein normaler Wasserverbrauch liegt in Deutschland durchschnittlich bei etwa 120 Litern pro Person und Tag. Das beinhaltet Trinken, Kochen, Duschen, Wäsche waschen und die Toilettenspülung. Wenn du deutlich darüber liegst, ist Handlungsbedarf angesagt. Aber was heißt "deutlich"? Das ist schwer pauschal zu sagen, denn es hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- •Personenzahl im Haushalt: Logisch, je mehr Leute, desto mehr Verbrauch.
- •Lebensstil: Duscht du täglich oder eher selten? Hast du eine Badewanne und nutzt sie oft? Wäschst du viel Wäsche?
- •Alter der Geräte: Ältere Waschmaschinen und Geschirrspüler sind oft weniger sparsam.
- •Gartenbewässerung: Falls du einen Garten hast, kann das den Verbrauch in die Höhe treiben.
Detektivarbeit: Ursachenforschung ist angesagt
Bevor du deinen Vermieter kontaktierst, solltest du selbst auf Spurensuche gehen. Hier sind ein paar Verdächtige:
- •Leckagen: Das ist der häufigste Grund für einen erhöhten Wasserverbrauch. Achte auf tropfende Wasserhähne, laufende Toilettenspülungen oder feuchte Stellen an Wänden oder Decken. Schon ein tropfender Wasserhahn kann über das Jahr gerechnet erhebliche Mengen Wasser verschwenden.
- •Rohrbruch: Ein Rohrbruch ist natürlich ein Worst-Case-Szenario, aber auch möglich. Achte auf plötzliche Veränderungen im Wasserdruck oder ungewöhnliche Geräusche aus den Rohren.
- •Defekte Geräte: Waschmaschinen oder Geschirrspüler mit Defekten können mehr Wasser verbrauchen als üblich. Beobachte, ob deine Geräte ungewöhnliche Geräusche machen oder länger brauchen als sonst.
- •Falsches Ablesen: Hat der Vermieter vielleicht den Zählerstand falsch abgelesen? Vergleiche den angegebenen Zählerstand mit deinem eigenen.
- •Zählerdefekt: Auch ein defekter Wasserzähler kann die Ursache sein.
Der Vermieter ist in der Pflicht: Was du erwarten kannst
Wenn du eine Leckage oder einen anderen Defekt vermutest, ist dein Vermieter in der Pflicht, die Ursache zu beheben. Das ist seine Instandhaltungspflicht. Du musst ihn unverzüglich informieren (am besten schriftlich!), damit er sich darum kümmern kann.
Der Vermieter muss sich dann um die Reparatur kümmern. Er kann einen Handwerker beauftragen oder die Reparatur selbst durchführen. Wichtig ist, dass die Ursache des Problems behoben wird.
Mietminderung: Dein Recht bei Mängeln
Wenn der hohe Wasserverbrauch auf einen Mangel in der Wohnung zurückzuführen ist (z.B. eine Leckage), und der Vermieter diesen Mangel nicht beseitigt, hast du unter Umständen das Recht auf eine Mietminderung. Die Höhe der Mietminderung hängt vom Ausmaß des Mangels ab.
BGH-Urteile: Der Bundesgerichtshof hat sich in zahlreichen Urteilen mit dem Thema Mietminderung auseinandergesetzt. Grundsätzlich gilt, dass eine Mietminderung gerechtfertigt ist, wenn die Gebrauchstauglichkeit der Wohnung durch den Mangel beeinträchtigt wird (z.B. BGH, Urteil vom 04.06.2004 - V ZR 175/03).
Beweislast: Wer muss was beweisen?
Grundsätzlich gilt: Du musst beweisen, dass der hohe Wasserverbrauch auf einen Mangel zurückzuführen ist. Das bedeutet, du musst nachweisen, dass es eine Leckage gab oder der Wasserzähler defekt ist. Der Vermieter muss dann beweisen, dass der Verbrauch korrekt ist und nicht auf einem Mangel beruht.
Zählerdefekt: Was tun?
Wenn du einen Zählerdefekt vermutest, solltest du den Vermieter auffordern, den Zähler überprüfen zu lassen. Die Kosten für die Überprüfung trägt in der Regel der Vermieter. Bestätigt sich der Defekt, muss der Verbrauch geschätzt werden. Die Schätzung erfolgt in der Regel anhand des Verbrauchs der Vorjahre oder des Durchschnittsverbrauchs vergleichbarer Wohnungen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für dein Vorgehen
- 1.Überprüfe deine Nebenkostenabrechnung: Sind alle Angaben korrekt? Gibt es offensichtliche Fehler?
- 2.Führe eine Ursachenforschung durch: Suche nach Leckagen, überprüfe deine Geräte und lies den Zählerstand ab.
- 3.Informiere deinen Vermieter schriftlich: Beschreibe das Problem genau und setze ihm eine Frist zur Beseitigung.
- 4.Dokumentiere alles: Mach Fotos von Schäden, notiere dir Datum und Uhrzeit deiner Meldungen und bewahre alle Unterlagen auf.
- 5.Hol dir Unterstützung: Lass dich von einem Fachmann beraten und dir den Schaden bestätigen.
- 6.Prüfe dein Recht auf Mietminderung: Wenn der Vermieter den Mangel nicht beseitigt, kannst du die Miete mindern.
- 7.Kontaktiere einen Mieterverein oder einen Anwalt: Wenn du dir unsicher bist oder Probleme mit deinem Vermieter hast, solltest du dir professionelle Hilfe suchen.
Fazit: Nicht verzweifeln, sondern handeln!
Ein hoher Wasserverbrauch in der Nebenkostenabrechnung ist ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Mit einer systematischen Vorgehensweise kannst du die Ursache des Problems finden und deine Rechte als Mieter durchsetzen. Denk daran: Du bist nicht allein! Es gibt viele Anlaufstellen, die dir bei der Lösung des Problems helfen können. Viel Erfolg!
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