Na, schon wieder Post vom Vermieter bekommen und das ungute Gefühl beschleicht dich, dass es um die Nebenkosten geht? Und dann der Schock: Die Abrechnung ist verspätet! Keine Panik, erstmal tief durchatmen. Wir alle kennen das – der Papierkram des Vermieters kann ganz schön nerven. Aber keine Sorge, nur weil die Frist gerissen ist, sind noch lange nicht alle deine Rechte futsch. In diesem Ratgeber zeige ich dir, was du tun kannst, wenn deine Nebenkostenabrechnung zu spät ins Haus flattert.
Was bedeutet "zu spät" überhaupt?
Ganz wichtig: Dein Vermieter hat genau ein Jahr Zeit, um dir die Nebenkostenabrechnung zukommen zu lassen, nachdem die Abrechnungsperiode (meist ein Kalenderjahr) beendet ist. Heißt: Für das Jahr 2023 muss die Abrechnung spätestens am 31. Dezember 2024 bei dir im Briefkasten liegen. Kommt sie später, ist sie erstmal "zu spät".
Frist verpasst: Was passiert jetzt?
Jetzt kommt die gute Nachricht: Nur weil die Abrechnung zu spät ist, muss das nicht heißen, dass du gar nichts mehr zahlen musst. Es kommt nämlich auf den Grund für die Verspätung an.
Grundsätzlich gilt: Wenn die Abrechnung verspätet ist, musst du keine Nachzahlungen leisten. Das ist in § 556 Abs. 3 BGB geregelt. Klingt erstmal super, oder? Aber Achtung, es gibt Ausnahmen!
Die berühmte Ausnahme: Der Vermieter ist unschuldig!
Dein Vermieter darf dir trotz verspäteter Abrechnung eine Nachzahlung in Rechnung stellen, wenn er die Verspätung nicht zu verschulden hat. Das bedeutet, er muss nachweisen, dass er alles in seiner Macht Stehende getan hat, um die Abrechnung rechtzeitig zu erstellen.
Beispiele, bei denen der Vermieter unschuldig sein könnte:
- •Späte Rechnungen von Versorgern: Der Energieversorger hat die Abrechnung erst sehr spät an den Vermieter geschickt, sodass dieser keine Chance hatte, deine Nebenkostenabrechnung rechtzeitig zu erstellen.
- •Komplizierte Abrechnung: In einem großen Mietshaus mit vielen Mietern und unterschiedlichen Verbrauchswerten kann die Erstellung der Abrechnung sehr aufwendig sein.
- •Softwareprobleme: Schwierigkeiten mit der Abrechnungssoftware, die unvorhersehbar waren und die rechtzeitige Erstellung verhindert haben.
Was du tun kannst:
- 1.Fordere eine Begründung an: Wenn du eine verspätete Abrechnung erhältst, frage deinen Vermieter schriftlich nach den Gründen für die Verspätung.
- 2.Prüfe die Begründung genau: Ist die Begründung plausibel? Kann der Vermieter seine Behauptungen beweisen?
- 3.Kontaktiere einen Mieterverein: Wenn du dir unsicher bist, ob die Begründung des Vermieters stichhaltig ist, wende dich an einen Mieterverein. Dort kann man dich beraten und dir helfen, deine Rechte durchzusetzen.
Vorauszahlungen: Was passiert mit denen?
Auch wenn du keine Nachzahlungen leisten musst, heißt das nicht, dass du deine Vorauszahlungen zurückbekommst. Dein Vermieter ist verpflichtet, dir die Differenz zwischen deinen Vorauszahlungen und den tatsächlichen Kosten zu erstatten, auch wenn die Abrechnung verspätet ist.
Recht auf Einsicht: Dein gutes Recht!
Unabhängig davon, ob die Abrechnung pünktlich oder verspätet ist, hast du immer das Recht, die Originalbelege einzusehen. Das ist dein gutes Recht und sollte niemals verweigert werden! Dein Vermieter muss dir die Möglichkeit geben, die Belege in seinen Räumlichkeiten (oder denen der Hausverwaltung) zu prüfen.
Warum ist die Einsicht so wichtig?
- •Fehler entdecken: Oftmals schleichen sich Fehler in die Abrechnung ein. Durch die Einsicht in die Belege kannst du diese Fehler entdecken und beanstanden.
- •Transparenz schaffen: Die Einsicht in die Belege hilft dir, die Abrechnung besser zu verstehen und nachzuvollziehen, wie sich die einzelnen Kosten zusammensetzen.
- •Grundlage für Einwände: Erst nach der Belegeinsicht kannst du fundiert Einwände gegen die Abrechnung erheben.
- 1.Fordere schriftlich Belegeinsicht an: Vereinbare mit deinem Vermieter einen Termin zur Belegeinsicht.
- 2.Nimm dir Zeit: Plane genügend Zeit für die Einsicht ein und nimm eventuell eine sachkundige Person (z.B. vom Mieterverein) mit.
- 3.Mache Notizen und Kopien: Notiere dir Auffälligkeiten und mache Kopien von relevanten Belegen (gegen Kostenerstattung).
Sonderfall: Abrechnung wurde korrigiert
Manchmal schickt der Vermieter eine pünktliche Abrechnung, korrigiert diese aber später. Auch hier gelten Fristen! Die Korrektur muss dir innerhalb von 12 Monaten nach Ende der Abrechnungsperiode zugehen. Ist die Korrektur später, gilt sie als verspätet und du musst keine Nachzahlungen leisten – es sei denn, der Vermieter kann auch hier nachweisen, dass er die Verspätung nicht zu verschulden hat. Laut BGH (Urteil vom 28.10.2020, VIII ZR 257/19) gilt diese Frist auch für Korrekturen, die zu deinen Gunsten sind.
Verjährung: Ein wichtiger Aspekt
Auch wenn der Vermieter die Abrechnung rechtzeitig erstellt hat und du Einwände hast, solltest du die Verjährungsfrist im Auge behalten. Deine Ansprüche aus der Nebenkostenabrechnung (z.B. auf Rückzahlung zu viel gezahlter Beträge) verjähren in der Regel drei Jahre nach dem Ende des Jahres, in dem die Abrechnung zugegangen ist. Das bedeutet: Wenn du die Abrechnung für 2023 im Januar 2024 erhalten hast, verjähren deine Ansprüche Ende 2027.
Was, wenn der Vermieter gar nicht abrechnet?
Auch das kommt vor! Wenn dein Vermieter gar keine Nebenkostenabrechnung erstellt, hast du das Recht, die Rückzahlung deiner Vorauszahlungen einzufordern. Setze dem Vermieter schriftlich eine Frist zur Erstellung der Abrechnung. Verstreicht die Frist fruchtlos, kannst du die Rückzahlung deiner Vorauszahlungen verlangen.
Was tun, wenn der Vermieter im Verzug ist?
Wenn dein Vermieter dir Geld schuldet (z.B. weil du zu viel vorausgezahlt hast) und er die Rückzahlung verzögert, kannst du ihn in Verzug setzen. Das bedeutet, du musst ihm schriftlich eine Mahnung schicken und ihm eine Frist zur Zahlung setzen. Nach Ablauf der Frist kann der Vermieter Verzugszinsen verlangen.
Fazit: Ruhe bewahren und deine Rechte kennen
Eine verspätete Nebenkostenabrechnung ist ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Wichtig ist, dass du deine Rechte kennst und weißt, was du tun kannst. Fordere eine Begründung für die Verspätung an, prüfe die Abrechnung und die Belege sorgfältig und scheue dich nicht, den Mieterverein um Rat zu fragen. Mit etwas Know-how und Beharrlichkeit kannst du sicherstellen, dass du nicht zu viel zahlst und deine Rechte als Mieter gewahrt werden. Also, bleib entspannt und lass dich nicht unterkriegen! Du schaffst das!
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