Die Heizkostenabrechnung: Wenn's plötzlich teuer wird!
Deine Heizkostenabrechnung ist da und du traust deinen Augen nicht? Die Summe übersteigt alles, was du erwartet hast? Eine Abweichung von über 20% vom Vorjahr ist ein Warnsignal! Keine Panik, du bist nicht machtlos. Dieser Ratgeber hilft dir, deine Rechte zu verstehen und eine Überprüfung deiner Heizkostenabrechnung nach der Heizkostenverordnung (HeizkostenV) zu fordern.
Was tun bei einer unerwartet hohen Heizkostenabrechnung?
Eine deutliche Steigerung der Heizkosten im Vergleich zum Vorjahr kann verschiedene Ursachen haben. Bevor du dich an deinen Vermieter wendest, solltest du folgende Punkte prüfen:
- •Verbrauchsverhalten: Hast du dein Heizverhalten geändert? War es ein besonders kalter Winter? Hast du häufiger gelüftet oder Fenster gekippt? Eine Veränderung im persönlichen Verhalten kann einen direkten Einfluss auf den Verbrauch haben.
- •Wohnsituation: Hat sich deine Wohnsituation verändert? Sind neue Mitbewohner hinzugekommen oder ausgezogen? Mehr Personen im Haushalt bedeuten in der Regel auch einen höheren Heizenergieverbrauch.
- •Heizkörper: Funktionieren alle Heizkörper richtig? Werden sie alle warm? Entlüfte sie gegebenenfalls. Luft in den Heizkörpern kann die Heizleistung beeinträchtigen und zu einem erhöhten Energieverbrauch führen.
- •Dämmung: Gab es bauliche Veränderungen am Haus, die die Dämmung beeinträchtigen könnten? Schlechte Isolierung führt zu Wärmeverlusten und höheren Kosten.
Die Heizkostenverordnung (HeizkostenV): Dein Schutzschild
Die Heizkostenverordnung ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen Mietrechts und regelt, wie Heiz- und Warmwasserkosten abgerechnet werden müssen. Sie soll für Transparenz und Fairness sorgen.
Wichtige Punkte der HeizkostenV:
- •Verbrauchserfassung: Der Verbrauch muss grundsätzlich verbrauchsabhängig erfasst werden. Das bedeutet, dass Messgeräte (Heizkostenverteiler, Wärmezähler, Wasserzähler) installiert sein müssen, die deinen individuellen Verbrauch messen.
- •Verteilungsschlüssel: Die HeizkostenV legt fest, wie die Gesamtkosten auf die einzelnen Mieter verteilt werden müssen. Ein Teil der Kosten (meist 50-70%) muss verbrauchsabhängig abgerechnet werden, der Rest kann nach Wohnfläche verteilt werden.
- •Ablesung: Die Messgeräte müssen regelmäßig abgelesen werden. Der Vermieter muss dir die Möglichkeit geben, bei der Ablesung dabei zu sein.
- •Abrechnungsfrist: Der Vermieter hat eine bestimmte Frist, um dir die Heizkostenabrechnung zukommen zu lassen (meist bis zum Ablauf des Folgejahres).
Wichtig: Die HeizkostenV soll dich vor willkürlichen Abrechnungen schützen. Informiere dich genau über deine Rechte und Pflichten.
Abweichung von über 20%: Wann du hellhörig werden solltest
Eine Abweichung von über 20% gegenüber dem Vorjahresverbrauch ist ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmen könnte. Diese Abweichung bezieht sich auf deinen individuellen Verbrauch, nicht auf die Gesamtkosten des Hauses.
Mögliche Gründe für eine solche Abweichung:
- •Fehlerhafte Messgeräte: Die Messgeräte könnten defekt sein oder falsche Werte anzeigen.
- •Ablesefehler: Bei der Ablesung der Messgeräte könnten Fehler passiert sein.
- •Falsche Berechnung: Die Berechnung der Heizkostenabrechnung könnte fehlerhaft sein.
- •Unplausible Verbräuche: Verbräuche von Nachbarn, die stark von deren Vorjahreswerten abweichen und auf deinen Verbrauch umgelegt werden.
Wie du eine Überprüfung nach Heizkostenverordnung forderst
Wenn du den Verdacht hast, dass deine Heizkostenabrechnung fehlerhaft ist, hast du das Recht, eine Überprüfung zu fordern.
So gehst du vor:
- 1.Abrechnung prüfen: Überprüfe deine Heizkostenabrechnung sorgfältig. Vergleiche die Werte mit dem Vorjahr. Achte auf die Verteilungsschlüssel, die Kostenarten und die Messwerte.
- 2.Einspruch einlegen: Lege schriftlich Einspruch gegen die Heizkostenabrechnung ein. Begründe deinen Einspruch mit der hohen Abweichung und dem Verdacht auf Fehler. Fordere eine detaillierte Erläuterung der Abrechnung.
- 3.Belege einsehen: Fordere Einsicht in die Belege, die der Heizkostenabrechnung zugrunde liegen. Dazu gehören beispielsweise die Ableseprotokolle, die Rechnungen des Energieversorgers und die Wartungsprotokolle der Heizungsanlage.
- 4.Messgeräte prüfen: Lass die Messgeräte von einem Fachmann überprüfen. So kannst du feststellen, ob sie korrekt funktionieren und ob die Eichgültigkeit noch gegeben ist. Die Eichgültigkeit ist wichtig, denn geeichte Messgeräte müssen in bestimmten Zeitabständen ausgetauscht werden. Wenn die Eichfrist abgelaufen ist, dürfen die Messwerte nicht mehr zur Abrechnung verwendet werden (vgl. § 5 HeizkostenV).
- 5.Rechtliche Beratung: Hole dir im Zweifelsfall rechtliche Beratung von einem Anwalt oder einer Mieterberatung ein.
Praxisbeispiel: Herr Schmidt und die unerklärliche Kostenexplosion
Herr Schmidt erhält seine Heizkostenabrechnung und ist schockiert. Seine Kosten sind um 25% gestiegen, obwohl er sein Heizverhalten nicht geändert hat. Er verbrauchte im Vorjahr 800 Einheiten, dieses Jahr sind es plötzlich 1000.
Herr Schmidt geht wie folgt vor:
- 1.Er prüft die Abrechnung und entdeckt, dass die Kosten für die Warmwasserbereitung stark gestiegen sind.
- 2.Er legt schriftlich Einspruch gegen die Abrechnung ein und fordert Einsicht in die Belege.
- 3.Bei der Belegeinsicht stellt er fest, dass ein Nachbar einen extrem hohen Warmwasserverbrauch hatte. Ein Teil davon wurde ihm anteilig in Rechnung gestellt.
- 4.Herr Schmidt wendet sich an eine Mieterberatung. Diese bestätigt ihm, dass die Abrechnung fehlerhaft ist. Der Vermieter muss den Fehler korrigieren.
Tipps und Checkliste für die Heizkostenabrechnung
- •Achte auf die Fristen: Lege rechtzeitig Einspruch gegen die Abrechnung ein, wenn du Fehler vermutest.
- •Dokumentiere alles: Notiere dir alle Gespräche mit dem Vermieter und bewahre alle Schriftstücke auf.
- •Vergleiche die Abrechnungen: Vergleiche deine aktuelle Abrechnung mit den Abrechnungen der Vorjahre.
- •Prüfe die Eichgültigkeit: Achte darauf, dass die Messgeräte geeicht sind.
- •Lass dich beraten: Hole dir im Zweifelsfall rechtliche Beratung ein.
| Punkt | Check |
|---|---|
| Abrechnung erhalten | Innerhalb der Abrechnungsfrist? (meist bis zum Ablauf des Folgejahres) |
| Verbrauchsabweichung | Über 20% im Vergleich zum Vorjahr? |
| Verteilungsschlüssel | Entsprechen die Verteilungsschlüssel den gesetzlichen Vorgaben? |
| Messgeräte geeicht | Ist die Eichgültigkeit der Messgeräte noch gegeben? |
| Belegeinsicht | Belege angefordert und geprüft? |
| Einspruch eingelegt | Schriftlicher Einspruch mit Begründung eingelegt? |
| Fristen eingehalten | Fristen für Einspruch und Belegeinsicht beachtet? |
| Rechtliche Beratung (ggf.) | Bei Unklarheiten oder Problemen rechtliche Beratung in Anspruch genommen? |
Fazit: Sei wachsam und nutze deine Rechte
Eine hohe Heizkostenabrechnung ist ärgerlich, aber kein Grund zur Resignation. Nutze deine Rechte als Mieter und fordere eine Überprüfung der Abrechnung, wenn du Fehler vermutest. Die Heizkostenverordnung ist dein Schutzschild. Bleib hartnäckig und lass dich nicht abspeisen.
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