Mist, die Nebenkostenabrechnung ist da und die Heizkosten sind viel höher als erwartet? Und jetzt fällt dir ein, dass beim Auszug keine Zwischenablesung der Heizkörper gemacht wurde? Keine Panik, das ist ärgerlich, aber nicht das Ende der Welt! In diesem Artikel zeige ich dir, was du jetzt tun kannst, um dich gegen eine falsche Heizkostenabrechnung zu wehren.
Warum die Zwischenablesung so wichtig ist
Stell dir vor, du ziehst mitten im Winter aus einer Wohnung aus. Dein Nachmieter dreht die Heizung voll auf, während du schon in deinem neuen Zuhause sitzt. Wenn jetzt keine Zwischenablesung stattgefunden hat, wird der gesamte Heizverbrauch des Jahres auf alle Mieter verteilt – inklusive dir! Das ist natürlich unfair, denn du zahlst dann für den Verbrauch deines Nachmieters mit.
Die Zwischenablesung dient also dazu, den tatsächlichen Verbrauch während deiner Mietzeit zu ermitteln. Ohne diese Ablesung wird es schwierig, deinen Verbrauch genau zu bestimmen und eine faire Abrechnung zu gewährleisten.
Was tun, wenn die Zwischenablesung vergessen wurde?
Okay, das Kind ist in den Brunnen gefallen, die Zwischenablesung wurde vergessen. Was kannst du jetzt tun? Hier kommen ein paar Tipps:
- 1.Rechnung prüfen: Schau dir die Nebenkostenabrechnung genau an. Ist der Gesamtverbrauch plausibel? Vergleiche ihn mit deinen Vorjahresabrechnungen. Gibt es extreme Abweichungen? Notiere dir alle Punkte, die dir komisch vorkommen.
- 2.Vermieter kontaktieren: Nimm so schnell wie möglich Kontakt zu deinem Vermieter auf. Schildere ihm die Situation und weise darauf hin, dass keine Zwischenablesung stattgefunden hat. Bitte ihn um eine Erklärung, wie die Heizkosten für deine Mietzeit berechnet wurden. Manchmal ist es ein Versehen und der Vermieter ist bereit, die Abrechnung zu korrigieren.
- 3.Berechnungsgrundlage anfordern: Du hast das Recht, die Berechnungsgrundlage deiner Heizkostenabrechnung einzusehen. Das bedeutet, du darfst die Ableseprotokolle, die Verbrauchsdaten und die Berechnungsformel einsehen. Nur so kannst du nachvollziehen, wie dein Anteil am Gesamtverbrauch ermittelt wurde.
- 4.Eigene Dokumentation nutzen: Hast du vielleicht eigene Aufzeichnungen zum Heizverbrauch? Hast du beispielsweise Fotos von den Heizkostenverteilern gemacht, bevor du ausgezogen bist? Oder hast du dir notiert, wie oft du geheizt hast? Solche eigenen Aufzeichnungen können helfen, deinen tatsächlichen Verbrauch zu belegen.
- 5.Alternative Berechnungsmethoden: Wenn keine Zwischenablesung vorliegt, muss der Vermieter deinen Verbrauch schätzen. Hierfür gibt es verschiedene Methoden, zum Beispiel:
* Schätzung anhand des Durchschnittsverbrauchs: Der Durchschnittsverbrauch aller Mieter im Haus kann als Grundlage dienen. Diese Methode ist aber oft ungenau, da jeder Mieter ein anderes Heizverhalten hat.
Wichtig ist, dass die Schätzung plausibel und nachvollziehbar ist. Der Vermieter muss dir erklären, wie er zu der Schätzung gekommen ist.
- 6.Einspruch einlegen: Wenn du mit der Abrechnung nicht einverstanden bist, lege schriftlich Einspruch beim Vermieter ein. Begründe deinen Einspruch detailliert und lege alle relevanten Unterlagen bei (z.B. deine eigenen Aufzeichnungen, Vorjahresabrechnungen). Setze dem Vermieter eine Frist zur Korrektur der Abrechnung.
- 7.Mietminderung: Wenn der Vermieter die Abrechnung nicht korrigiert und die Heizkosten erheblich zu hoch sind, kannst du unter Umständen eine Mietminderung geltend machen. Sprich dich hierzu aber am besten mit einem Mieterverein oder einem Anwalt ab.
Was sagt der BGH dazu?
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich mehrfach mit dem Thema Heizkostenabrechnung und Zwischenablesung befasst. Wichtig ist: Der Vermieter ist grundsätzlich verpflichtet, eine ordnungsgemäße Heizkostenabrechnung zu erstellen. Dazu gehört auch, dass er den tatsächlichen Verbrauch der Mieter erfasst.
Laut BGH trägt der Vermieter die Beweislast dafür, dass die Heizkostenabrechnung korrekt ist (BGH, Urteil vom 17.11.2004, Az. VIII ZR 194/03). Wenn keine Zwischenablesung stattgefunden hat, muss der Vermieter plausibel darlegen, wie er den Verbrauch des ausgezogenen Mieters geschätzt hat. Gelingt ihm dies nicht, kann die Abrechnung unwirksam sein.
Allerdings gilt auch: Du als Mieter musst darlegen und beweisen, dass die Abrechnung fehlerhaft ist und dass dir dadurch ein Schaden entstanden ist. Hierbei können deine eigenen Aufzeichnungen und Vergleiche mit Vorjahresabrechnungen hilfreich sein.
Heizkostenverteiler: Was du wissen musst
Heizkostenverteiler messen die Wärmeabgabe der Heizkörper. Es gibt verschiedene Arten von Heizkostenverteilern:
- •Verdunster: Diese Geräte enthalten eine Flüssigkeit, die verdunstet, wenn der Heizkörper warm wird. Je mehr Wärme abgegeben wird, desto mehr Flüssigkeit verdunstet.
- •Elektronische Heizkostenverteiler: Diese Geräte messen die Wärmeabgabe elektronisch. du sind genauer als Verdunster und speichern die Verbrauchsdaten.
Achte darauf, dass die Heizkostenverteiler regelmäßig geeicht werden. Nur so ist eine korrekte Messung gewährleistet. Wenn du Zweifel an der Genauigkeit der Heizkostenverteiler hast, kannst du eine Überprüfung durch einen Fachmann verlangen.
Wie du zukünftig vorbeugen kannst
Damit du nicht wieder in diese Situation gerätst, hier ein paar Tipps für die Zukunft:
- •Sprich das Thema Zwischenablesung rechtzeitig an: Wenn du weißt, dass du ausziehst, sprich deinen Vermieter frühzeitig auf die Zwischenablesung an. Kläre, wer die Ablesung durchführt und wann sie stattfindet.
- •Sei bei der Zwischenablesung dabei: Wenn möglich, sei bei der Zwischenablesung selbst anwesend. Kontrolliere die Ablesewerte und lass dir ein Protokoll aushändigen.
- •Mach Fotos: Mach Fotos von den Heizkostenverteilern, bevor du ausziehst. So hast du einen Beweis für den Stand der Zähler.
- •Dokumentiere deinen Heizverbrauch: Notiere dir regelmäßig deinen Heizverbrauch. So hast du einen Überblick über deinen Verbrauch und kannst ihn mit den Vorjahresabrechnungen vergleichen.
Fazit
Eine falsche Heizkostenabrechnung ist ärgerlich, aber du bist nicht machtlos. Wenn die Zwischenablesung vergessen wurde, hast du verschiedene Möglichkeiten, dich zu wehren. Prüfe die Abrechnung genau, fordere die Berechnungsgrundlage an, lege Einspruch ein und sprich dich gegebenenfalls mit einem Mieterverein oder einem Anwalt ab. Wichtig ist, dass du deine Rechte kennst und diese auch wahrnimmst. Und denk daran: Vorsorge ist besser als Nachsorge! Sprich das Thema Zwischenablesung frühzeitig an und dokumentiere deinen Heizverbrauch. So bist du bestens gerüstet für die nächste Nebenkostenabrechnung. Viel Erfolg!
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